Mit Beluga II auf Tour

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Clara Warmuth, Greenpeacerin aus Bad Münster am Stein war für eine Woche Crewmitglied auf dem Greenpeace Schiff Beluga II, hier ist ihr Bericht :

 

 

Welle machen an Bord der Beluga II

 

Manch andere machen Pauschalurlaub auf Mallorca, ich habe mich für eine Woche auf das Greenpeace-Schiff Beluga II begeben und dort ehrenamtlich mitgearbeitet. Vom 28. Mai bis zum 5. Juni 2016 leistete ich der Schiffscrew zusammen mit anderen Ehrenamtlichen auf der Fahrt von Deggendorf nach Kelheim Gesellschaft.

Die Woche auf der Beluga II verging wie im Flug und trotzdem hab ich das Gefühl so viel erlebt zu haben wie in einem halben Jahr Alltag. Zum einen hätte ich niemals gedacht, dass mir ein Leben an Bord mit elf mir vorher unbekannten Menschen und mit wenig eigener Privatsphäre so viel Spaß machen würde. Zu der festen Crew von fünf Leuten kamen noch fünf Ehrenamtliche sowie eine Biologin und ein Medienkoordinator, da kann es auf so einem Schiff schon mal ganz kuschelig werden. Aber auf solch einer kleinen Fläche zusammen zu leben, zu kochen, zu schlafen und zu arbeiten schweißt zusammen. Sogar so sehr, dass wir die meisten unserer Landgänge gemeinsam unternahmen. So machten wir zum Beispiel eine Nacht lang Halt in Regensburg oder wanderten durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg bei Kelheim.

Doch dazu kamen wir nur, wenn der Schiffs- und Arbeitsalltag dies zu ließen. Denn da hieß es Deck schrubben, Kombüse putzen, Kartoffeln schälen und Seemannsknoten knüpfen. Durch die Unwetter, die uns die leider fast die gesamte Woche begleiteten, kam ich zusätzlich in den Genuss Plakate zu bügeln und Wäscheleinen spinnennetzartig im Raum zu spannen um alle unsere Klamotten wieder trocken zu bekommen. Falls man doch mal nichts zu tun hatte, konnte man immer noch der Biologin beim Abspülen ihrer Proben helfen. Mit einer speziellen Vorrichtung an Bord werden diese entnommen, um dann das Wasser auf Mikroplastik zu untersuchen.

Die Tage, an denen wir das Schiff für Besucher öffneten, standen aber natürlich im Vordergrund der Tour und das ist auch gut so. Bei kostenlosen Schiffsführungen haben wir Ehrenamtliche Besucher über den Lebensraum Meer und seine Gefährdung durch Plastikmüll informiert, zusätzlich erhält man einen Einblick in das Leben an Bord und über die Arbeit von Greenpeace.

Den Ausruf "Ih, das ist ja eklig!" hörte ich dabei oftmals von Schülern, wenn sie sich vorstellten, dass wir möglicherweise ständig kleinste Plastikteilchen essen, auch wenn wir eigentlich nur ein leckeres Fischfilet auf dem Teller haben wollen. Und zwar das Plastik, was von uns täglich in Flüsse und Meere gelangt. Kaum einer von ihnen hätte bei dem Blick auf die Plastikflasche gedacht, das es möglich ist, das wir Menschen genau die so in uns aufnehmen werden. Zwar erst in 450 Jahren, denn so lange braucht eine normale PET-Flasche ungefähr bis sie sich in kleinste Teilchen zersetzt hat, aber auch jetzt schwimmt schon genug Mikroplastik in unseren Gewässern herum. Dieses wird von Plankton aufgenommen, Plankton wiederum von kleineren Fischen, bis es dann am Ende der Nahrungskette, also bei uns Menschen, anlangt.
Die Resonanz nach den Schiffsführungen war trotz der Unwetter super und damit fiel es einem viel leichter das straffe Programm der OpenBoat-Tage zu überstehen. Denn bei diesen hieß es morgens aufbauen, ab acht Uhr Schulklassen, nachmittags die normalen Schiffsführungen, abends Filmvorführung und danach Abbau, und am nächsten Tag nochmal das gleiche. Aber wenn man dann sah, wie interessiert die Kinder bei der Sache waren und wie motiviert sie nach Hause gegangen sind, hat es plötzlich viel mehr Spaß gemacht. Vielleicht lag es an unserer Stiftemonster-Bastelaktion mit alten Shampooflaschen, vielleicht aber auch weil Plastik etwas ist, was sie selbst gut kennen und was sie alltäglich umgibt. Bei diesem Thema können sogar die Kleinsten zum Umweltschützer werden kann, ganz einfach von Zuhause aus.
Doch durch die Führungen habe ich nicht nur gelernt, wie weit die Plastikverschmutzung im Meer fortgeschritten ist oder wie man Mikroplastik in Kosmetika erkennt, sondern auch, dass Umweltschutz eben doch nicht nur aus ödem Flyerverteilen und Unterschriftensammeln besteht. Mit der Fahrt auf der Beluga habe ich zwar einerseits Menschen über Umweltthemen aufgeklärt, aber gleichzeitig neue Erfahrungen gesammelt, tolle Menschen kennengelernt und lecker vegan gegessen. Also ich würde sagen ganz klar eine win-win-Situation.