Proteste bei Lidl

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Die ganz grausamen Bilder hatten Ehrenamtlichen von Greenpeace Bad Kreuznach am Samstag 22. Juli 2017 nicht dabei – es sind ja auch Kinder unterwegs. „Lidl lässt Schweine leiden“, stand aber unmissverständlich auf den Plakaten, von denen eng gedrängte und dreckige Schweine die Passanten traurig anschauten. Damit zog Greenpeace Bad Kreuznach nur wenige Wochen nach dem ersten Aktionstag in 50 Städten, mit Mahnwachen vor einige einheimische Lidl-Filialen.

Die Forderung nach besserer Tierhaltung wird untermauert mit einem schwerwiegenden Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und somit auch gegen die Verfassung. Fotos und Videos aus diversen Ställen, die Greenpeace zugespielt wurden, dokumentieren die oft miserablen Zustände in der Schweinemast. Darunter ist auch mindestens ein Stall, der unter anderem für Tönnies produziert, einen der größten deutschen Schlachtbetriebe. Tönnies wiederum beliefert auch Lidl für dessen Eigenmarke Landjunker.

VERBRAUCHER WOLLEN ES WISSEN

Lidl muss für seine Eigenmarken Fleisch aus gesetzes- und verfassungswidriger Tierhaltung ausschließen! Greenpeace fordert daher wirkliche Veränderungen. Die vom Einzelhandel ins Leben gerufene „Initiative Tierwohl“ ist nicht mehr als eine haltlose Werbekampagne. Lidl weiß, wie sensibel das ist, was sich in sorgsam von der Öffentlichkeit abgeschirmten Mastbetrieben abspielt und hat deshalb in diese Initiative investiert. Sie soll Kunden zeigen, dass dem Unternehmen an glücklichen Tieren gelegen ist. Die Kriterien sind laut Rechtsgutachten allerdings so schwach, dass auch sie die Anforderungen des Tierschutzgesetzes nicht erfüllen. Und das alles nur, um Kunden mit extrem billigen Fleischprodukten in die Geschäfte zu locken. Bei dieser Preispolitik bleiben allerdings Landwirte, Tiere und Umwelt auf der Strecke. Doch Verbraucher wollen zunehmend wissen, wie ihr Essen produziert wird! „Ist Antibiotika im Fleisch?“, „Wann verbieten Sie das Abschneiden von Ringelschwänzen?“, „Warum nutzen Sie ihre Marktmacht nicht, um als Vorreiter die Bedingungen positiv zu beeinflussen?“ Verbraucher wollen bessere Produkte – wann ist also endlich Schluss mit Billigfleisch?

800 TONNEN ANTIBIOTIKA IM JAHR

Für billiges Fleisch werden in der Schweinehaltung Unmengen an Antibiotika verwendet – die Massentierhaltung ist nun einmal anfällig für Krankheiten. In Deutschland kommen rund 800 Tonnen jährlich in der Intensivhaltung zum Einsatz, das ist ungefähr genauso viel wie in der Humanmedizin. Doch für den sorglosen Umgang bezahlen die Menschen einen hohen Preis: Je häufiger ein Antibiotikum eingesetzt wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich Krankheitserreger entwickeln, die dagegen resistent sind – das Antibiotikum wird dann wirkungslos. Und es ist nicht so, als hätte die Medizin unzählig viele Arten von Antibiotika zur Verfügung, um Krankheiten zu bekämpfen. Die Folgen zunehmender Resistenzen sind heute bereits spürbar: Alleine in Europa sterben jährlich etwa 25000 Menschen, weil ihre Krankheiten mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr behandelbar sind.

BILLIG KOMMT TEUER ZU STEHEN 

Billig geht schließlich nur mit niedrigen Standards – auf Kosten von Tieren, Landwirten und Umwelt. Wer Fleisch essen will, dem muss das Tier auch etwas wert sein: Die absurd niedrigen Preise, zu denen etwa Schweinefleisch bei Lidl über den Kassenscanner läuft, tragen zu den katastrophalen Zuständen in deutschen Ställen bei. Darunter leidet nicht nur das gesellschaftliche Ansehen der Bauern. Viele Betriebe überstehen den Preiskampf nicht und müssen aufgeben – 90 Prozent schlossen in den vergangenen 20 Jahren. Von Minister Schmidts Politik profitieren vor allem große Schlachthöfe und Discounter wie Lidl und Aldi, die ihre Kunden mit billigen Angeboten in die Supermärkte locken. Auch sie stehen in der Pflicht, eine Wende einzuleiten und nur noch Fleisch aus guter verantwortungsvoller Tierhaltung anzubieten. Dabei darf der Umbau der Landwirtschaft aber nicht auf den Schultern der Landwirte ausgetragen werden, denn wenn sie für ihr Fleisch zu wenig Geld bekommen, müssen sie, um wirtschaftlich zu überleben, auf Hochleistung züchten und können sich gute Tierhaltung einfach nicht leisten. Die Folgen der Billigpreispolitik von Discountern wie Lidl sind fatal, das ist Raubbau an der menschlichen Gesundheit, den Tieren und der Umwelt. Laut einem Rechtsgutachten, das Greenpeace in Auftrag gegeben hat, werden mehr als 90 Prozent der Schweine in Deutschland nicht artgerecht und damit rechtswidrig gehalten.

Der Einzelhandel ist hier in der Pflicht, viel mehr Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren. Dass die Kunden bereit sind, für eine bessere Haltung mehr zu zahlen, hat Greenpeace bereits mit einer Umfrage belegt.