Atommüllfässer übergeben

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Am 26. April 1986 ereignete sich die bisher schwerste Atomkatastrophe der Geschichte: In Tschernobyl explodierte das dortige Kernkraftwerk. Zehn Tage brannte der zerstörte Atomreaktor,  schleuderte hochradioaktive Partikel in die Luft, die sich über die Ukraine, Russland und Europa verteilten. Unvorstellbar große Landstriche wurden verstrahlt. Zehntausende  Menschen starben, Hunderttausende erkrankten.

Im Vorfeld zum Jahrestag der Atomkatastrophe, sammelten Mitglieder von Greenpeace Bad Kreuznach auf einem symbolischen „Atommüllfass“ Unterschriften für den sofortigen Ausstieg aus dieser riskanten Technik. Denn die hiesigen Stadtwerke haben noch immer einen Atomanteil von über 11 Prozent. Das ist sehr erschreckend und nicht mehr zeitgemäß.
Es war erstaunlich in welcher Geschwindigkeit das Fass mit Unterschriften der Passanten bedeckt war. Kurzerhand wurde ein zweites Fass bereitgestellt.

Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer empfing nun, in ihrer Funktion als Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Mitglieder von Greenpeace Bad Kreuznach. Anlässlich dieses Termins wurden ihr die beiden Fässer übergeben.

Die Ziele und Wünsche von Greenpeace Bad Kreuznach sind klar:

-Sofortiger Ausstieg aus der Atomkraft durch die Stadtwerke
-Kohlekraft darf nicht als Alternative gelten
-Auch zukünftig kein Atomstrom aus ausländischen Kernkraftwerken beziehen.
-Politisches Signal nach Frankreich, denn in nur 120km Luftlinie wird eines der anfälligsten AKW Europas betrieben, dieses gehört abgeschaltet. Ein dortiger Unfall hätte auch für Bad Kreuznach weitreichende, negative Konsequenzen.

Die Oberbürgermeisterin teilte die Bedenken bezüglich Nutzung der Atomkraft und hat  ihre Unterstützung zugesagt. Die Greenpeacer freut es, dass Frau Dr. Kaster-Meurer versprochen hat, mit dem Vorsitzenden der Stadtwerke über einen Atomausstieg zu sprechen. Hoffentlich ist Bad Kreuznach bald Atomstromfrei.

Auch wenn die „Atommüllfässer“ nur einen symbolischen Wert haben können, so ist bekannt, dass bereits im September 2015, laut Allensbach, nur 8 % der Deutschen ihren Strom aus Atom- und 5 % aus Kohlekraftwerken beziehen wollten. Die Nutzung der Solarenergie zur Stromerzeugung wurde von 80 %, der Windenergie von 72 % befürwortet.

 Die Atomkatastrophe von Tschernobyl hat uns gezeigt, dass Unfälle nicht nur Hypothesen sind, sondern dass sie tatsächlich passieren und dass wir ihre Auswirkungen – wie auch in Fukushima – nicht beherrschen können. Leider hat die Menschheit zu wenig daraus gelernt – noch heute laufen weltweit Hunderte Atomreaktoren. Jeden Tag kann ein neuer Unfall passieren – auch in unserer Nähe.